Dossier Analyse


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Opfergabe: Die Nähe finden zu Frömmigkeit, Prinzip und Tugend
Das Leben ist ein langer Marathon und ein heftiges Rennen. Die Menschen sind stets in Eile und sind besorgt darum, etwas auf die Beine stellen zu müssen. Vielleicht können wir im Leben vieles erreichen, jedoch bleibt in uns immer ein Schmerz stehen. Während wir wegen dem Druck etwas zu schaffen immer im Rennen sind, möchten wir manchmal stehen bleiben und unseren Fokus auf jene richten, die wir vernachlässigt haben. Wer von uns möchte schon sich nicht an jene Werte erinnern, die uns zudem gemacht haben, was wir sind, diese aber infolge der Moderne, Postmoderne und Post-Thruth   verloren haben.             
 
Sie hören nun eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.
 
Nun die Festtage sind solch Zeiten. Es ist eine Zeit, in der man nach einer Pause und Ruhe sucht.                 
Opfergabe ist eine viertausend Jahre alte Tradition: Es ist wieder soweit. Wir erleben erneut ein Opferfest. Laut klassischen Quellen, lebte Abraham, der von allen drei monotheistischen Religionen als Prophet angenommen wird,  2000 v. Chr. Um seine Treue zu zeigen, wollte Abraham seinen Sohn Ismail dem Gott opfern. Nachdem die Treue von Abraham gesehen wurde, beginnt  mit der Opferung eines Widders auch die Tradition der Opfergabe. Welche Freude dem ersten Widder oder den anderen geopferten Tieren, die einer alter Tradition dienen.
 
Opfergabe bedeutet teilen, Unterhalt: Es ist eine Tradition, so dass an den Tagen des Opferfestes die geschlachteten Tiere an die Bedürftigen verteilt werden, was auf globaler Ebene zu einem Massenritual wird. Es wird dazu angeregt, auch in anderen Zeiten als ein Zeichen für Dank Opfertiere zu schlachten und an Bedürftige zu verteilen. In einem Zeitalter, in dem der moderne Mensch in hedonistischer Weise hinter Lust her ist und das Denken an Andere und Teilen mit anderen Menschen als eine Tradition aus der Vergangenheit gesehen wird, ist das Opferfest wie ein Ruf aus der Vergangenheit.  
 
Opfergabe bedeutet sich Erinnern und Heimat: Das Opfer ist nicht nur eine sachliche Gabe, sondern zugleich auch ein Gefühl. Während einerseits mit dem Opfern an Gott gedacht wird, erinnert man sich auf der anderen Seite an diesen Tagen an Freunde, Verwandte, Eltern und Verstorbene. Es ist eine Zeit, in der man mit Menschen zusammen ist, die man durch den Stress des Alltags vergessen hat. Vielleicht können die im Leben aktiven Menschen die Erinnerung zu Genüge wahrnehmen. Aber wie ist es mit denen, die das ganze Jahr hindurch darauf warten, dass man sich an sie erinnert? Und jene, die es sich wünschen, dass die von ihnen großgezogenen zu ihnen kommen, und ihre Hände küssen. Kann für diese Personen der Wert dieser Festtage mit irgendetwas gemessen werden?
Opferfest bedeutet das Wer von Einsamen zu sein: Das Opferfest beginnt mit den Eigenschaften Teilen und Feiern im engsten Verwandtschaftskreis. Doch wo es endet, da gibt es keine Grenzen. Denn das Herz kennt keine Grenzen. Es beginnt mit den Besuchen von Senioren und Waisen und geht bis dahin, in dem an den Fremden in der Ferne Opferfleisch zukommen lässt und ihre Sorgen teilt.
 
Das Opfern bedeutet Bereinigung und die Nähe zum Guten: Kurban also Opfergabe bedeutet als Wort, sich näher kommen, Dankesgefühle zum Ausdruck bringen sowie Geschenke und Opfergabe. Kurban ist ein Anlass dafür, die Nähe zum Gott zu suchen. Der diesbezügliche Koranvers schildert es sehr schön: „Weder das Opferfleisch noch das Blut der Tiere erreichen Allah. Das was Allah erreicht, ist euer guter Wille, eure Aufrichtigkeit und euer Verantwortungsbewusstsein. Wir haben euch die Opfertiere zur Verfügung gestellt, damit ihr als ein Wegweiser des Guten Allah kennt. Bringt denen die frohe Botschaft, die Gutes tun.“
Ist es nicht Heute das was die Menschen im Osten und Westen brauchen? Den Prinzipien, Werten, Tugenden sowie dem Teilen nah sein und mit der Aufrichtigkeit, dem guten Willen und Verantwortungsbewusstsein zu handeln. Das Opferfest bedeutet für die in den östlichen Gesellschaften in Armut und im Westen im Reichtum lebenden Menschen im Zusammenhang mit dem Teilen sehr viel.
 
Kurban ist ein Verzicht und Aufgabe: Kurban bedeutet überall dies hinaus, falls erforderlich Hab und Gut miteinbegriffen alles zu opfern. Die Nähe zu Allah bedeutet nicht nur die Näherung zum Schöpfer. Es bedeutet, die Annäherung an alles, was zu IHM führt und der Verzicht und Aufgabe von allem, was von IHM fernhält. Also alles was von Gerechtigkeit, Schönheit, Teilung und Sorge und vom Guten fernhält, aufzugeben.
Kurban ist eine Gelegenheit für Bilanz und Gewissensprüfung. Alles, was mit Sachlichem und Interesse erklärt werden kann und aus einer aus dem Jenseits kommenden Stimme und Gerechtigkeit sich zu ergeben und auf die Welt aus diesem Aspekt zu blicken.
 
Kurban bedeutet Hingabe: Das Eigentliche für den Menschen ist, durch Zusammenführung vom Legalen, Erlaubtem und Angenehmen zu handeln. Denn alles was gesetzlich ist kann nicht legal, alles was legal ist, kann nicht erlaubt und alles Erlaubte angenehm sein. Im Recht wird nach Gesetz, in der Gesellschaft nach Legalität, im Islam nach Erlaubtem und im Herzen nach Angenehmen gesucht. Doch im Alltag haben wir öfters andere Tendenzen. Des Öfteren fällt es uns schwer, uns der Gerechtigkeit, dem Guten und der Tugend zu ergeben. Wenn wir, wie schwer, wie leidvoll und wie unerträglich es auch sein mag, uns all diesem ergeben könnten, ich weiß nicht, welches Problem die Menschen noch hätten. Wie unsere Opfertiere seit vier Tausend Jahren dem göttlichen Gebot ergeben, so könnten wir auch uns Gott ergeben. Wie schwach wir gegenüber all diesen Schönheiten und der Justiz sein sollten drückt der Dichter Abdurrahim Karakoç drückt in seinem Werk, „Verwunde nicht“ sehr schön aus:
 “Wege lang, Wege schmal
Wege werden kürzer, wenn die Liebe kommt
Liege und opfere Dich wie Ismael
Das Messer sollte nicht von Dir verwundet sein”
 
Mit dem Wunsch, dass sie dem Prinzip, Wert und der Frömmigkeit nah sind, sich der Tatsache ergeben und jeder Zeit mit dem Gefühl der Gabe leben, gratuliere ich ihnen zum Opferfest. Wenn man teilt werden die Leiden weniger und die Freuden grösser. Ich wünsche ein Fest, in dem die Menschen weniger Leiden und mehr Wohl haben.
 
Okunma Sayısı: 390
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Dossier Analyse 19

 

 

Notizen “2 zu Usbekistan

 

Warum sind die Entwicklungen in Usbekistan nicht fortgesetzt worden, obwohl im 15. Und 16. Jahrhundert in der Wissenschaft, Bildung, Kultur und Zivilisation riesige Fortschritte erzielt wurden? Warum haben sich die türkische und islamische Welt in den darauffolgenden Jahrhunderten von dieser glänzenden Mentalität entfernt?

Wir bringen nun die Bewertung von Prof. Dr. Kudret Bülbül, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität in Ankara.

Wissenschaft, Geschichte, Politik oder die Bedeutung der politischen Stabilität

„Emir Timur“ bedeutet sehr viel für die Usbeken. Usbekistan kann auch Timur-Land genannt werden. Während seiner Herrschaftszeit lud er zahlreich Wissenschaftler und gelehrte in sein Land ein. Viele der historischen Werke in Buchara und Samarkand wurden zurzeit von Timur errichtet. Der erste Staatspräsident Usbekistans, Islam Kerimov hat es bevorzugt, nicht sich und seine eigenen, sondern Timur und die Werke aus dessen Zeit in den Vordergrund zu bringen. Timur hatte die Landesgrenzen von Izmir bis Indien ausgeweitet. Timur hatte die Eroberungsperiode des osmanischen Staates eingeleitet und den Altınordu-Staat beendet. Aber weile er den für die Verwaltung dieser großen Geographie erforderlichen Staatsmechanismus nicht hatte, begann sich der Staat nach dem Tod von Timur in 1405 aufzulösen. Der Osmanische Staat erholte sich in kurzer Zeit und erneuerte sich. Aber die Lücke der Territorien des Altınordu-Staates wurde von den Russen gefüllt. Weil durch die von ihm erzeugte Lücke das russische Imperium entstand, wird Timur kritisiert.

Obwohl während und nach der Timur-Ära riesige wissenschaftliche Arbeiten vollbracht wurden, wurden diese nicht weiter fortgesetzt. Einer der wichtigsten Gründe ist die politische Stabilität. Wenn es keine politische Stabilität gibt, kann es keine dauerhafte Wissenschaft, Bildung, Kultur und Zivilisation geben. Ein trauriges Beispiel dafür sehen wir in der Geschichte von Uluğ-Bey, dem Enkel von Timur. Obwohl er Staatsoberhaupt, ein Gelehrter und Astronom weite über seiner Zeit war, rebelliert sein Sohn. Nach der Niederlage gegen seinen Sohn ergibt er sich und erklärt, auf den Thron verzichten und nach Mekka pilgern zu wollen. Aber schon kurz nach dem er Samarkand verlassen hatte, wurde er auf Befehles seines Sohns ermordet.  Schon wenige Monate danach wird auch sein Sohn von seinen eigenen Soldaten getötet.

In einer derartigen ungewissen und unsicheren Lage kann nichts von Dauer sein. Ein wichtiger Grund für die Frage oben ist politische Stabilität. Die Bedeutung der politischen Stabilität ist groß. Denn wenn es keinen Staat gibt, bleibt nicht mehr übrig. Einer der wichtigsten Gründe für die Dauerhaftigkeit des osmanischen Staates und Institutionen ist ebenfalls politische Stabilität.

FETÖ

Wie groß die FETÖ-Gefahr ist, hat Usbekistan schon vor der Türkei bemerkt. In 1999 wurden alle FETÖ-Schulen geschlossen und die Lehrer wegen Spionage außer Landes verwiesen. Es heißt, der Putschversuch von FETÖ in 2016 in der Türkei sei vorher bereits in Usbekistan versucht worden und sei gescheitert. Den Schaden, den FETÖ den türkisch-usbekischen Beziehungen zugefügt hat, ist durch unsere geistliche Usbekistan-Wahrnehmung und den Erzählungen in Usbekistan noch besser zu verstehen.

 Al-Buchārī, Şah-i Nakşibend, al-Māturīdī 

Zweifelsohne kann Usbekistan nicht ohne die Erwähnung von  al-Buchārī, Şah-i Nakşibend, al-Māturīdī bewertet werden. Diese Namen, die die Quelle für eine islamische Interpretation ohne Radikalisierung und Marginalisierung waren, sollen aber Thema einer anderen Bewertung sein. Es sei aber gesagt, dass die Usbeken den Türben dieser Namen großes Interesse entgegen bringen.

Türkisch und Türkenwelt

Es ist nicht schwer, die Verständigung und Kommunikation der türkischsprechenden Staaten noch weiter auszubauen. Drei Grundschritte können unsere Verständigung vereinfachen.

Der erste Schritt ist das lateinische Alphabet. Usbekistan hat diesen Schritt bereit unternommen. Auch Kasachstan und Aserbaidschan, wobei in diesen Ländern teilweise auch das kyrillische Alphabet noch verwendet wird. Mit dem lateinischen Alphabet können schriftliche Texte besser verstanden werden.

Der zweite Schritt ist die vermehrte Verwendung der Jahrhunderte alten Wörter. Im letzten Jahrhundert wurden die Türkei Türken von Englisch und Französisch, die anderen von Russisch stark beeinflusst. Wenn alle wieder die Sprache unsrer Urgroßväter verwenden, können wir unsere Verständigung viel mehr verbessern. 

Drittens, dass Türkei türkisch wird geschrieben wie gelesen und gelesen wie geschrieben. Sollte dies auch für die anderen Sprachen gültig werden, wäre eine Verständigung einfacher werden. Wenn man derzeit etwas Alt-Türkisch kann, kann man sich leicht verständigen.

Eröffnung von Filialen türkischer Universitäten

In Usbekistan wird betont, dass dringend Filialen türkischer Universitäten eröffnet werden müssen. Putin soll mit 150 Rektoren dort präsent sein. Westliche Universitäten haben bereits Filialen eröffnet. Die möglichen Hindernisse vor der Eröffnung von Filialen türkischer Universitäten müssen umgehend aufgehoben werden. Ferner muss die Eröffnung von Filialen bestimmter türkischer Universitäten in Usbekistan gefördert werden

Die zweite Türkei

Usbekistan ist eigentlich wie eine zweite Türkei. Oder da die Geographie der Herkunftsort der Türken ist, kann man auch sagen, dass die Türkei ein zweites Usbekistan ist. Eine Türkei, deren geistlichen Codes im Westen geformt wurden.

Eine Türkei, die sich von ihren historischen Wurzeln trennt, wird vor allem von sich selbst viel verlieren. Solch eine Türkei würde sich bei einer möglichen EU-Mitgliedschaft als ein unbedeutendes EU-Land herabstufen. Die Türkei wird selbst sich nur finden, wenn sie die Beziehungen mit der islamischen Welt und auch Afrika Gleichmaßen an die Tagesordnung bringt, wie die Beziehungen mit dem Westen. Nur solch eine Türkei kann ihre Mission erfüllen und sich selbst, ihrer Region und der Welt beitragen.

Das war eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret Bülbül, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität in Ankara.

 

 

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Dossier Analyse 18

Notizen “1 zu Usbekistan

 

Der Titel hätte in “Auf den Spuren der verlorenen Zivilisation” sein können. Vielleicht wäre es besser.  Wie in jüngster Zeit bei Maturidi oder in Turkestan  gesucht wurde, aber es hätte es nicht gegeben wie bei Frederick Starr’s  Arbeiten “Verlorene Erleuchtung". Denn die Aufklärung ist ein Konzept, das den Westen von der Tradition abbricht, erkennt keine andere Vernunft als die Führung der Vernunft, oder es ist der Fahrplan, die den Westen in die Gegenwart bringt. Die blutigsten beiden Weltkriege sind das Produkt der Erleuchtung der Menschheit. Die verlorene Zivilisation, die wir suchen, ist jedoch ein anderer Fahrplan, der die Justizachse nicht ausnutzt.

 

 

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.

 

 

Ich versuche auf meinem Besuch in Usbekistan zu kommen. Mit der Unterstützung von TIKA waren wir letzte Woche wegen Symposiums, in Usbekistan, das in Zusammenarbeit mit dem ADAM (Zentrum für Gedanken und Forschung in Ankara), der Sabahattin Zaim-Universität und der Nationalen Universität von Usbekistan  organisiert wurde. Wenn der Mensch ins Land geht, wo vor tausend Jahren seine Vorfahren, Urgroßväter, die Großmütter lebten, fühlen sich als seien Sie eingeladen worden. Ein wenig Traurigkeit mit tausend Jahren Trennung, ein wenig Sehnsucht, ein bisschen Neugierde. Bevor ich ging, wollte ich etwas über die Gegend lesen. Aber in der Türkei, insbesondere über  Zentralasien, sind die wissenschaftlichen Studien, Memoiren und Reiseberichte auf Türkisch so begrenzt, als würden Sie eine Vorstudie über Mexiko und nicht über Ihr Mutterland durchführen. Die meisten Quellen befinden sich nicht in den Buchhandlungen in Ankara. Es gibt jedoch viele Arbeiten in englischer Sprache, insbesondere das von  Yuri Bregel “A Historical Atlas of Central Asia”.

 

 

Turkestan

 

Diejenigen mit einem Bewusstsein für Geschichte in der Türkei und Usbekistan betonen immer wieder, dass die große Geographie, die heute als Türkische Republik bezeichnet wird, früher Turkestan hieß. Nach der Besetzung der Sowjetunion wollten die Sowjets mit anderen Namensgebungen die Region aufteilen. Später wurde der Ausdruck Turkestan in dieser breiten Geographie im großen Umfang auch vergessen, leider vergessen. Als Türken der Türkei haben wir von der türkischen Welt durch den verstorbenen Özal nach dem Zerfall der Sowjetunion erfahren.

Das Gedächtnis eines Teilnehmers während dieser Reise zeigt die Schwere der Situation:

„Vor Özal war ich sehr erstaunt, als die Japaner in ihrem Dokumentarfilm die Seidenstraße Kasachen, Kirgisen, Usbeken vorstellten, die sich der rituellen Waschung unterzogen und Gebete verrichteten.Ich dachte, diese Gesellschaften wären Gesellschaften, die zu einer Zeit in der Geschichte existierten, aber mit der Zeit waren sie in die Geschichte verwickelt. Sie waren immer noch da und lebten.“ Natürlich ist es sehr wichtig, die Vergangenheit zu kennen und sich bewusst zu sein, was passiert ist. Ja, der Ausdruck Turkestans wurde in der Vergangenheit verwendet, um die Geografie dieser Gesellschaften auszudrücken, einschließlich des heute genannten Ostturkestans. Dies ist zwar nicht der Fall, führt uns aber nicht weiter. Diese Situation gab es nicht nur in der Sowjetunion. Im Verlauf des Nationalstaates fand der Zerfall in allen Ländern der Welt statt. In der Region, die einst als osmanische Geographie bezeichnet wurde, gibt es heute 52 Staaten. Nach all diesen Prozessen muss man sich darauf konzentrieren, wie die Beziehungen auf vielfältige Art und Weise entwickelt werden können, anstatt zu jammern. Was heute sinnvoll ist, ist die Beteiligung an den vielfältigen Kooperationen mit historischen Vereinigungen, so wie es England mit dem Common Wealth,  Frankreich mit der französischen Gemeinschaft französischsprachiger Länder versucht.

 

 

 

Architektur

 

Als wir  in den Morgenstunden in Taschkent ankommen, werden wir Regen und einem süßen Frühlingstag begrüßt. Mit der Trennung von tausend Jahren und den Gefühlen der Wiedervereinigung spüre ich, dass meine großen Vorfahren uns mit Tränen grüßen. Das erste, was in Taschkent, Samarkand, Buchara während der gesamten Reise und vom Flughafen zum Hotel auffällt, ist, dass Usbekistan ein sehr grünes Land ist. Breite Straßen, hohe Bäume, Parks, sehr gut erhaltene historische Beschaffenheit fallen sofort auf.  An den Orten, wo ich war, wäre es nicht übertrieben zu sagen, dass ich  kein Gebäude gesehen habe, dass höher war als die Bäume. Taschkent, Samarkand, die historischen Viertel von Buchara sind wie ein Freilichtmuseum. Keine störende, unbequeme, widerliche Konstruktion. Wenn der Mensch das sieht versteht er, was er in der Türkei verloren hat. Obwohl die seltsamen, kalten, formlosen, seelenlosen Gebäude aus sowjetischer Zeit, die wir an manchen Orten sehen, beunruhigend sind, ändert sich dieses Bild, das die traditionelle Beschaffenheit des Landes mit neuen Gebäuden bricht. Die neuen Gebäude sind auch vollständig mit der historischen Beschaffenheit kompatibel. Tatsächlich wird auf den ersten Blick nicht klar, ob diese Gebäude neu oder historisch sind.

 

 

Wissenschaft und Zivilisation

 

Die Medresen in Usbekistan sind zweifelsohne, dass was die Menschen am meisten beeinflusst haben.

 

 

Wenn wir sehen, wie wichtig Bildung, Wissenschaft, Kultur und Zivilisation im 15. Jahrhundert waren, und mit der Bildung, die sie erhalten haben, werden die Augen unserer Leute, die glauben, dass die wissenschaftlichen Entwicklungen nur der Westen waren, zunehmend geöffnet. Als wir die Kukeldaş Medrese aus dem 16. Jahrhundert in Taschkent gesehen haben, sagte Prof.Dr. Mehmet Emin Göktaş, Gök, dass es  im 16.  Jahrhundert im Westen kein so prachtvolles, gut ausgestattetes und umfangreiches Schulungsgebäude gegeben habe. Wenn Sie den faszinierenden Platz von Registan in Samarkand sehen, wollen Sie dort tagelang bleiben, um dieses großartige Bild zu sehen. Der Platz wurde 2001 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen Der Platz ist eigentlich ein Komplex, der  aus den Medresen, Uluğ Bey, Şirdor und Tilkari besteht. Die Uluğ Bey Medrese wurde 1420 (Mit den Worten unseres Reiseführers) von dem Astronomen Ulug Bey, dem 4. Sultan des Timur-Imperiums, in Auftrag gegeben. Diese Medrese in der Uluğ Bey auch Mathematik und Astronomie lehrte, gilt als eine der wichtigsten Universitäten seiner Zeit. Die Größe und Architektur jeder der drei Medresen ist sehr beeindruckend in Bezug auf die Bedeutung, die der Bildung und Wissenschaft in diesen Jahren beigemessen wurden. Von den hunderten Medresen in Usbekistan, wird heute nur noch in der  Kukeldaş in Taschkent und der Mir Arab Medrese in Buchara gelehrt. Man ist darüber traurig umso mehr, dass keines der Medressen in der Türkei mehr lehrt. Doch historische Universitäten wie Oxford und Harvard setzen in ihren historischen Gebäuden ihre Ausbildung fort.  Damit die Kontinuität, Tradition, Geschichte, Kultur und eines verwurzelten Bewusstseins in Usbekistan und in der Türkei nicht verloren gehen,  ist es dringend notwendig, dass die Medrese- Gebäuden  wie im Westen, sich stärker mit den Universitäten in Verbindung zu setzen, und zumindest einige von ihnen wieder der Ausbildung zuzuführen. Wie endet das Leben des wichtigsten Mathematikers und Astronomen Uluğ Bey, der all diese Werke und wissenschaftlichen Erfindungen nach Zentralasien brachte, auf so  traurige Weise?

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Dossier Analyse 17

Sri Lanka Tarrantismus

 

Im südasiatischen Sri Lanka sind bei Terroranschlägen über 300 Menschen getötet und mehr als 500 weitere verletzt worden. Ziele der Anschläge in der Hauptstadt Colombo und drei weiteren Städten waren drei Kirchen und vier Hotels.

Sie hören eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret Bülbül, dem Dekan der Abteilung für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität.

---geçiş---

Sri Lanka und innere Unruhen

Wegen der Angriffe steht das Volk von Sri Lanka einer großen Stille, Ungewissheit und Trauer gegenüber. Daher ist es der Tag, in Solidarität mit dem Volk von Sri Lanka zu sein. Unter den Opfern der Terroranschläge befinden sich 36 Ausländer, darunter auch Türken, Muslime, US-Amerikaner, Inder und Dänen. Die Regierung von Sri Lanka rief nach den Terroranschlägen Ausgehverbot aus. Die Dienste der Sozialmedien wurden vorübergehend eingestellt.

Sri Lanka ist ein Land mit einer Bevölkerungszahl von 22 Millionen Menschen. Die Einwohner bestehen zu 70% aus Buddhisten, 12% Hindus, 9% Muslimen und 6% katholischen Christen. In Sri Lanka herrschte zwischen den Jahren 1983 und 2009 zwischen den Buddhistischen Sinnhas und den Hindu Tamilen ein Guerillakrieg. In 2009 übernahmen Regierungskräfte die Kontrolle.

Bislang liegen über das Motiv der Terroranschläge in Sri Lanka keine  Angaben vor. Außerdem hat sich noch niemand zu den Anschlägen bekannt. In Sri Lanka werden zeitweise von den Buddhisten Anschläge auf Christen und Muslime verübt. In jüngster Zeit sollen Buddhisten 26 Mal Anschläge auf Kirchen verübt haben. In 2013 wurden bei Angriffen von Buddhisten 40 Muslime getötet.

Internationale Reaktionen

Die Staats- und Regierungschefs von mehreren westlichen Staaten, die die Moscheeangriffe vor etwa einem Monat in Neuseeland nicht als Terroranschläge bezeichnet und sozusagen fast geschwiegen haben, konnten dieses Mal die Anschläge mit lauter Stimme verurteilen. Sie haben so reagiert, wie es sein sollte. Wir hoffen natürlich, dass diese Einstellung gegen jede Art von Anschlägen dargelegt wird und eine engere Zusammenarbeit entsteht.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan seinerseits hat die Angriffe scharf verurteilt und darauf hingewiesen, dass diese Anschläge sich auf die ganze Menschheit richten. In seiner Erklärung machte Staatspräsident Erdoğan auf die globale Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror aufmerksam.

Diese barbarischen Angriffe haben erneut die Notwendigkeit einer entschlossenen Bekämpfung des Terrors jeder Art dargelegt.

Sri Lanka Tarrantismus

Etwa einen Monat nach den Moscheeangriffen in Neuseeland, wobei Muslime beim Beten massakriert wurden, sind nun in Sri Lanka Christen während des Gottesdienstes Opfer von Terroranschlägen geworden. In dem Artikel über die Anschläge in Neuseeland hatte ich von einem Manifest gesprochen, wobei die Anschläge im Namen der Überlegenheit der Weißen von Brenton Tarrant der ganzen Welt deklariert wurde und dies als Tarrantismus definiert. Wenn wir den staatlichen Rassismus als Faschismus, den nationalen Rassismus als Nationalsozialismus, religiösen Rassismus als Zionismus betrachten, ist auch die Definierung des Weißen-Rassismus erforderlich. Für wen und von wem die Anschläge in Sri Lanke verübt worden sind, unterscheiden sie sich nicht sehr von den Anschlägen von Tarrant. Die Anschläge sollten aufs schärfste verurteilt und die Täter vor der Justiz zur Rechenschaft gezogen werden.

Aufruf zur Gerechtigkeit

In dem Zeitalter, in dem wir uns befinden, können Menschen im Namen des Islam, Christentums, Judentums, Buddhismus, Säkularismus oder anderen Religionen oder Ideologien vom Terror Gebrauch machen. Zweifelsohne kann Terror auf keine Art und Weise gerechtfertigt werden. Je mehr die Wahrnehmung von Ungerechtigkeit zunimmt, desto mehr wird vom Terror Gebrauch gemacht. Auch wenn absolute Gerechtigkeit gewährleistet werden sollte, können einige Menschen zum Terror greifen. Das Gegengift von Terror ist Gerechtigkeit. Dafür müssen wir eine Gerechtigkeit finden, um eine Radikalisierung der Menschen zu verhindern. Der Ausdruck von Oliver  Roy, Der Islam wird nicht radikalisiert, Radikalismus wird islamisiert“, legt den Grund von mehreren Terrorangriffen offen dar. Solange Menschen sich radikalisieren, können sie sich anhand von Terror zur Legitimierung ihrer Religion und Ideologie neigen. Mit unserem globalen Appell für Gerechtigkeit sollten wir die Quellen des Extremismus ausrotten. Wir sollten verhindern, dass Menschen in ihren Gedanken Terror Produzieren, indem sie sich radikalisieren. Global betrachtet sollte unsere Bemühung um Gerechtigkeit so sein, die Radikalismus nicht verchristlicht, islamisiert, buddhistisch macht oder judaisiert. Wenn wir die Gerechtigkeit anstelle auf globaler Ebene nur für unser eigenes Volk oder unsere eigenen Territorien zu gewährleisten versuchen, wird die Welt noch mehr unsicherer werden. Denn in einem Zeitalter der globalen Kommunikation und Informatik können Grausamkeiten schneller auftreten und die Duldung der Menschheit immer geringer werden. Die Menschheit ist auf der ganzen Welt mit Terroranschlägen konfrontiert, wie zum Beispiel mit den Anschlägen vom 9/11 in den USA; den Anschlägen von DEASH in Paris, London und Ankara, den Moscheeangriffen von Tarrant in Neuseeland, sowie den jüngsten Angriffen in Sri Lanka auf Kirchen. Unabhängig davon, in welchem Land wir leben, machen diese Angriffe unser Leben unsicherer wie niemals zuvor.

Daher sollten wir uns einerseits mehr um Gerechtigkeit bemühen, andererseits sollte die Menschheit Reaktion gegen jede Art von Terror Zeigen ohne Wenn und Aber.

Wenn wir einige Terroranschläge ignorieren, wird nicht mehr bedeuten, als unser Leben aufs Spiel zu setzen.

Sie hörten eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret Bülbül, dem Dekan der Abteilung für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität.

 

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Dossier Analyse 16

In jüngster Zeit wird bei Erklärungen aus  einigen Kreisen aus den USA im Zusammenhang mit der Kritik aus der Türkei gegen die Erklärungen aus den USA im Zusammenhang mit S400, Syrien und die Unterstützung der USA für die Terrororganisationen innerhalb der NATO die Präsenz der Türkei infrage gestellt. US-Vizepräsident Mike Pence sagte folgendes: „Die Türkei muss sich entscheiden. Möchte sie weiterhin im erfolgreichsten Militärbündnis der Geschichte als ein kritischer Partner bleiben oder mit ihren unserem Bündnis schadenden Entscheidungen die Sicherheit dieser Zusammenarbeit riskieren?“ Daraufhin hat der stellvertretende Staatspräsident Fuat Oktay wie folgt geantwortet: „Die USA sollten sich entscheiden. Wollen sie weiterhin die Freundschaft der Türkei oder mit den Terrororganisationen Hand in Hand gegen die Feinde der NATO-Bündnispartner die Verteidigung schwächen und unsere Freundschaft riskieren.“

 

Sie hören eine diesbezügliche Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.

Zunächst sollte gesagt werden, dass die Kritik gegen die NATO-Partnerschaft der Türkei, nicht von den Funktionären des Bündnisses oder von anderen Mitgliedern, sondern lediglich von den USA kommen.

Der Beitrag der NATO für die Türkei und der Preis

Die faschistischen Länder Europas haben im Zweiten Weltkrieg verloren. Den Krieg haben die demokratischen Länder gewonnen. Nach dem Krieg herrschte auf der ganzen Welt der Übergangsprozess in die Demokratie. Die nach dem Krieg gegründete NATO war eine von demokratischen Staaten gegründete Allianz. Die Türkei wollte wegen den im Jahre 1945 offen von Russland zur Sprache gebrachten Forderungen zu den  Meerengen und den Drohungen dem westlichen Block beitreten.

Der wichtigste, vielleicht auch der wertvollste Beitrag der NATO an die Türkei nach dem Zweiten Weltkrieg ist ihre Rolle bei dem Übergangsprozess der Türkei in die Demokratie. Wenn es die Voraussetzungen aus dem Ausland in den besagten Jahren nicht gegeben hätte, so würde dieser Prozess erst viel später stattfinden. Gegen die russischen Drohungen in den Jahren des Kalten Kriegs wurde die NATO für die Türkei zu einer Garantie. Neben den sehr wertvollen Beiträgen der NATO an die Türkei gab es auch sehr viele negative Seiten. Das sich nach dem Putsch im Jahre 1960 in der Türkei institutionalisierende Regime der Bevormundung, kann nicht unabhängig von der NATO, insbesondere der USA erklärt werden. Es gibt eine sehr weit verbreitete Überzeugung, dass auch in anderen NATO-Staaten wie die in Italien ans Tageslicht gebrachte Organisationen Gladio gibt. Die Notiz nach dem Putsch im Jahre 1980 in der Türkei an den damaligen US-Präsidenten „Unsere Jungs haben es geschafft“ ist bekannt. Die USA werden von Vielen auch mit dem jüngsten FETÖ-Putschversuch vom 15. Juli in Verbindung gesetzt.

Der Beitrag der Türkei an die NATO

Angefangen mit der Gründung war die Türkei in vielen unter der NATO geführten Kriegen im Einsatz. Der bekannteste ist wohl der Korea-Krieg, bei dem wir sehr viele Gefallene zu beklagen haben. Während des NATO-Einsatzes (ISAF) in Afghanistan, war der im Jahre 2012 bei einem Hubschrauberunglück ums Leben gekommene Major Şükür Bağdatlı mein bester Freund. In diesem Sinne wünsche ich ihm Gottes Segen. Doch der eigentliche Beitrag der Türkei an die NATO ist die geschaffene Legalität für die Operationen in muslimischen Ländern. Die schweren Angriffe der NATO in einigen muslimischen Ländern werden dahingehend kritisiert, dass sie eine Besatzungsmacht ist und es sich dabei um neue Kreuzzüge handelt. Eine NATO ohne die Türkei wird bei solchen Bewertungen noch mehr zum Ausdruck gebracht werden.

Ist die NATO unverzichtbar? Oder eine NATO ohne die Türkei?

Bei Betrachtung der wichtigsten Staaten zu Anfang des 20. Jahrhunderts, sind diese unter anderem Großbritannien, Frankreich, Deutschland, USA, Russland und das osmanische Imperium. Bei Betrachtung der einflussreichen Länder zu Beginn des 21. Jahrhunderts werden wir mit den gleichen Ländern konfrontiert. Diesen können die Türkei als Nachfolger des osmanischen Staates und China hinzugefügt werden.

 

Die Türkei ist geschichtlich gesehen eines der Länder, das die Spielregeln bestimmt. Dass sie gegenwärtig der ihr zuteilwerdende Rolle nicht ganz gerecht werden kann, beseitigt diese Eigenschaft nicht. Die Türkei ist das einzige NATO-Mitglied, dessen Volk muslimisch ist. Dass die Türkei mit Spanien zur Co-Präsidentschaft der Allianz der Zivilisationen eingeladen wurde, ist ein Ergebnis ihres historischen Erbes. Daher kann sich die Türkei innerhalb der NATO nicht wie ein einfaches westliches Land verhalten.

Die geleistete Unterstützung und der Beitrag der Türkei für die NATO können nicht mit denen der von Griechenland, Italien u.a. verglichen werden. Eine Türkei, die als ein einfaches westliches Land gesehen wird, kann der NATO oder dem globalen Frieden nicht ausreichend beitragen. Wegen der historischen Vergangenheit, des Potentials und dem Beitrag für den globalen Frieden, sollte die Türkei sowohl mit NATO, auch mit Russland, Westen, Osten, Norden, Süden tiefe Beziehungen aufbauen. Für die Türkei sind die Beziehungen keine Alternativen zu den besagten Ländern. Die sich dafür aussprechen, dass die NATO für die Türkei unverzichtbar ist, betonen den Beitrag der NATO im Zusammenhang mit Russland und den regionalen Balancen.  Sie erinnern daran, dass die Türkei ohne die NATO gegen eine Gefahr aus dem Russland noch schwerer haben wird. Natürlich sind diese berechtigt. Doch damit kann die Unterstützung der NATO gegen die russische Gefahr nicht nur mit dem Bedarf der Türkei erklärt werden. Die NATO hat nicht für den Bedarf der Türkei, sondern mit dem Gedanken, dass Russland eine Gefahr für sie ist, die Türkei unterstützt. Das heißt, dass die NATO die Türkei auch in gewissem Maβe unterstützen würde, selbst wenn sie kein NATO-Mitglied wäre. Beispielsweise ist Indien kein NATO-Mitglied. Doch gegen eine chinesische Expansion unterstützen die USA viel mehr als ein NATO-Mitglied. Doch die NATO, die auf globaler Ebene ihren Anspruch fortsetzen, Russland, China oder ein anderes Land umzingeln möchte, unterstützt ohnehin ob es ein NATO-Mitglied ist oder nicht, andere Länder.   Die Türkei sollte natürlich in der NATO sein., Während im Nahen Osten die Grenzen neu gezogen werden und versucht wird, genau vor ihrer Nase einen Terrorstaat zu bilden, sollten die USA und NATO nicht erwarten, dass die Türkei schweigt, weil sie ein NATO-Mitglied ist. So eine Türkei sollten sie sich nicht erträumen. Länder wie Brasilien, Indonesien, Indien, Malaysia, Pakistan, China, die zunehmen Einfluss in der Weltpolitik haben, sind keine NATO-Staaten.

Innerhalb oder außerhalb der NATO, die Türkei ist ein Land, das immer ihre Richtung bestimmen kann. Beenden wir mit dem historischen Spruch von İsmet İnönü. In dem berühmten Johnson-Brief von 1964 schrieb er folgendes: „Eine neue Welt kann neu aufgebaut werden und die Türkei wird ihren Platz dort einnehmen.“ 

Wenn auch einige Verluste, kann eine Türkei ohne die NATO in ihrem Weg voranschreiten. Doch eine NATO ohne die Türkei würde nicht minder verlieren. 

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Dossier Analyse 15

Der Völkermord in Ruanda

Die in 1948 beschlossene UN-Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes definiert Völkermord eine als der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören. Zu diesen Handlungen gehören die Tötung von Mitgliedern der Gruppe; die Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe; die vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen; die Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind; die gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.

 

Wir bringen nun die Bewertung von Prof. Dr. Kudret Bülbül, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität in Ankara.

 

Bis zur Definition des systematischen Vernichtungsplans der Juden durch das Nazi-Deutschland vom polnisch-jüdischen Juristen Raphael Lemkin gab in der Literatur den Begriff „Genozid“ nicht. In 1944 verknüpfte er den Begriff genos aus dem Griechisch (Volk) mit caedere (töten) aus dem Lateinisch. Daraus wurde Genozid also Völkermord. Obwohl der Begriff für die unmenschlichen Methoden einiger westlichen Staaten entstand, wird er von diesen Staaten mehrheitlich für die Nicht-Westlichen-Staaten verwendet. Angesichts des Vorstoßes zur Bildung einer Kommission in Frankreich über den Völkermord in Ruanda wollen wir dies bewerten. Der Völkermord in Ruanda ist vor Bosnien wohl der aktuellste Völkermord in der Menschheitsgeschichte.

 

Der historische Background-Plan: dieselbe klassische Methode von Belgien: Zerstören, Teilen, Verwalten

 

Die Vergangenheit von Ruanda ist ungefähr die gleiche wie die der anderen kolonialisierten Länder. Zuerst wurde Ruanda von Deutschland kolonialisiert. Nach der Niederlage der Deutschen im Ersten Weltkrieg wird Ruanda von Belgien annektiert.

 

Die Kolonialisierungsmethode von Ruanda ist die gleiche wie andere. Belgien hat in Ruanda eine andere Version der englischen Politik „Zerstören, Teilen, Verwalten“ durchgeführt. Auch Belgien hat wie alle anderen imperialistischen Staaten für die imperialistische Ordnung die Politik zur Unterstützung der Minderheiten verfolgt. Zu diesem Zweck wurde die von Deutschland begonnene Strategie zur Unterstützung der Tutsi-Minderheit gegen die Hutu-Mehrheit sowie die These nach einer Überlegenheit der Tutsi fortgesetzt. Dadurch wurden Spannungen zwischen den seit Jahrhunderten in Frieden zusammenlebenden Tutsi und Hutu geschaffen.

Als Folge der belgischen Politik „Zerstören, Teilen, Verwalten“ wurde das Land bis zur Unabhängigkeit von der Tutsi-Minderheit mit Gewalt und Unterdrückung regiert.

Nach der Unabhängigkeit Ruandas in 1961 ging die Macht an die Hutu-Mehrheit. In den 50er Jahren hatte Belgien bereits begonnen, die Hutu zu unterstützen. Nach jahrelanger Unterdrückung und Erniedrigung begannen die Hutu nun die Tutsi so zu behandelt.

1994: Massaker an eine Millionen Menschen

Die Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen der Tutsi-Minderheit und Hutu-Mehrheit halten bis 1994 an. In 1994 setzt sich Staatspräsident Habyarimana von der Hutu-Mehrheit mit den Tutsi-Rebellen an den Verhandlungstisch. Dabei wird auch ein Frieden beschlossen, der die Teilnahme und das Mitspracherecht der Tutsi an der Staatsverwaltung vorsah. Aber das Flugzeug mit Habyarimana an Bord wird abgeschossen.

Für den Tod des Staatspräsidenten machen die Hutu die Tutsi verantwortlich und es beginnt ein grausames Massaker. In knapp 100 Tagen wurde etwa eine Millionen Tutsi und gemäßigte Hutu massakriert. Das heißt, durchschnittlich wurden täglich 10.000 Menschen getötet. Staatsbedienstete und Medien unterstützten die Massaker. Weit es keine Schusswaffen gab, töteten radikale Hutu hunderttausende Menschen mit Macheten, setzen sie in Brand und vergewaltigten Frauen. Die von Belgien vergebenen Ausweise als Hutu und Tutsi wird zum Mittel, die Tutsi noch leichter zu identifizieren und zu töten. Der Völkermord endet nach 100 Tagen, nachdem die Ruandische Patriotische Front in die Hauptstadt einmarschiert. 

 

 

 

UN, die anstatt Unschuldige zu schützen, die Blauhelmsoldaten abzog

Zu Beginn des Völkermordes waren in Ruanda 2500 UN-Soldaten stationiert. Vor dem Genozid konnten die Tutsi nur von der UN-Friedensmission geschützt werden. Aber die Reaktion der UN-Friedensmission war die gleiche wie in Bosnien, in Srebrenitza in 1995. Der Weltsicherheitsrat beschloss das Kontingent von 2500 auf 250 herabzusenken.

 

Rolle von Frankreich

Ruandas Staatspräsident Kagame beschuldigt Frankreich und Belgien, die politischen Vorbereiter des Genozids zu sein. Die Opfer des Völkermordes in Frankreich und Belgien reichten Klagen gegen die verantwortlichen dieser Länder ein. 

Die katholische Kirche in Ruanda hat sich bereits für die Rolle der Kirche beim Völkermord bei der Bevölkerung entschuldigt. Die nationale Anti-Völkermord-Kommission Ruandas gab in 2016 die Namen von 22 hochrangigen französischen Offiziere, darunter auch vom Generalstabschef bekannt, die „Täter und Kollaborateure des Völkermordverbrechens“ sein sollen. Den französischen Offizieren wird vorgeworfen, die Völkermordverbrecher ausgebildet und mit Waffen versorgt zu haben.

Am 23. Juni 1994 leitete Frankreich eine Militäroperation ein, um im Südwesten Ruandas eine Sicherheitszone für die Flüchtlinge zu errichten. Aber anstatt den Völkermord zu verhindern hat Frankreich die Völkermordverbrecher mit Waffen und Munition unterstützt und den Vormarsch der Ruandische Patriotische Front eingeschränkt. Der französische Journalist Saint-Exupery behauptete, dass die Aufrüstung der Hutu vom Generalsekretär des damaligen Präsidenten Frankreichs François Mitterrand, Hubert Vedrine schriftlich angeordnet wurde.

Frankreichs Ex-Präsident François Mitterrand sagte in 1998 in einem Interview mit der Zeitung Le Figaro „es ist nicht so wichtig, dass in dem Land ein Völkermord erlebt worden ist.“

 

Wegen intensiver internationaler Reaktionen und Menschenrechtskritiken beschloss Macron im April 2019 nach 25 Jahren endlich die Bildung einer Kommission über die Rolle seines Landes während des Völkermords in Ruanda. Aber in dieser Kommission sollen nicht unabhängige Beobachter und Experten tätig sein, sondern von Frankreich als „akzeptierte“ Namen. Seit dem Ruanda-Völkermord, bei dem Belgien und Frankreich eine Rolle gespielt haben, sind erst 25 Jahre vergangen. Erst vergangenen Monat wurden 50 Muslimen während des Freitag-Gebets von Brenton Tarrrant ermordet. Oft denken wir, dass der Imperialismus der Vergangenheit angehört und der Tarrantismus genannte weiß-rassistische Terror, der eine Form des Nazismus ist, nicht mehr existiert. So zu denken ist vielleicht die Notwendigkeit Mensch zu sein. Denn wir hoffen und wollen, dass diese Brutalitäten der Vergangenheit angehören. Aber die Ziele der imperialistischen Absichten und tödlichen Ideologien sind noch lebendig. Daran werden wir immer erinnert. Heute verfügen sie über technische Mittel, um noch mehr Blut vergießen zu können als gestern. Und wir als Menschheitsfamilie tendieren heute mehr als gestern dazu, der Brutalität aus dem Westen noch weniger gemeinsam entgegenzutreten, weniger zu sehen und weniger zu reagieren.

Das war eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret Bülbül, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität in Ankara.

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Dossier Analyse 14

2019 Wahlen: War die Türkei eine Diktatur?

 

Die  Kommunalwahlen, die 1849 begannen fanden in der Republikzeit zum 19. Mal statt und zuletzt am 31. März. Die Volksallianz kam auf 51,6 und das Bündnis der Nationen auf 37,5 Prozent.

Das Wahlergebnis der Parteien im Vergleich zu den Kommunalwahlen von 2014 sind laut amtlichen Zahlen zufolge: Die AK-Partei hat ihr Wahlergebnis von 2014 von 43,1 % bei diesen Wahlen auf 44,3% verbessert, aber beim Bürgerschaftsamt (Großstadt und Provinzen) sank die Zahl von 48 auf 39.  Die CHP hat ihr Wahlergebnis von 26,6 auf 30,1 Prozent gesteigert und hat die Zahl der gewonnenen Provinzen von 14 auf 21 erhöht.  Das Stimmverhältnis der MHP ist von 17,8% auf 7,3 % gesunken aber hat die Zahl der Bürgermeister von 8 auf 11 erhöht. Das Stimmverhältnis der HDP lag bei beiden Wahlen bei 4,2 Prozent. Aber die Zahl der gestellten Bürgermeister ist zurückgegangen. Die HDP hat mit der (BDP zusammen) bei der vorherigen Wahl 6,2 Prozent geholt, bei dieser Wahl fiel sie auf 4,2 Prozent zurück. Auch die Zahl der  Bürgermeister in den Provinzen ist gefallen.

 

 

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.

 

 

 

Was bedeuten diese Ergebnisse? In diesem Programm möchte ich mich auf die Bedeutung des Ergebnis der Kommubnalwahl in der Türkei auf globaler und nationaler Ebene konzentrieren.

 

 

Am meisten haben die Wahl verloren die sagten, “die Türkei sei eine Diktatur”

 

Obwohl es Kommunalwahlen waren war zu beobachten, dass die  internationalen Medien großes Interesse an den Wahlen in der Türkei hatten. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass sich die Führung einiger Großstädte wie Ankara und Istanbul zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen scheinbar gewechselt hat. Einige globale Medien und Politiker, die die Türkei der Autokratie und Diktatur beschuldigt haben und von diesem Image selbst so überzeugt waren, dass sie überrascht waren, dass die Wahlen ganz normal verlaufen sind und es in einige Städten zum Führungswechsel gekommen ist. Fast 180 Jahre finden die Kommunalwahlen in der Türkei statt und in diesem Fall wurde keine übermäßige Überraschung geschaffen. In der Glocke in der sitzen haben einige westliche Medien und Staats-und Regierungschef, die auf die Türkei blickten, sich schwer getan, um die Ergebnisse zu verstehen.

Die propagandistische Rhetorik gegen  die Türkei ist noch einmal zum Vorschein gekommen. Die größten Verlierer der Wahl sind vielleicht jene Kreise, die Tayyip Erdoğan eine Diktatur vorwerfen.

Gibt es in anderen Ländern andere kommunistische Parteien? Wenn ja,  können sie die Wahlen gewinnen? ich weiß es nicht. Bei diesen Wahlen hat die Türkische Kommunistische Partei (TKP) gewonnen. Trotz der Bedrohung der Terrororganisation PKK als auch des Drucks der HDP. Dieser Umstand ist ein weiter Beweis dafür, dass diejenigen, die die Realität sehen wollen und nicht die erzeugte Halluzination, dass es in der Türkei eine gut funktionierende Demokratie gibt.

 

 

AK Partei: Erfolg und Mahnung

 

Die AK Partei hat seit ihrer Gründung mit 44,3 % zum 15. Mal die Wahlen gewonnen. Eine Partei, die seit dem Jahr 2002 an der Regierung ist und trotz der jüngsten Wirtschaftskrise um mehr als 1% der Stimmen im Vergleich zu den vorangegangenen Kommunalwahlen gewonnen hat, ist  ein großer Erfolg. Wenn man das Wahlergebnis mit der Präsidentschaftswahl am 24. Juni 2018 mit 52,3 % vergleicht, hat die Volksallianz nur 0,7 % an Wählerstimmen verloren. Die AK Partei hat trotz der Zunahme der Stimmenanzahl im ganzen Land einige der großen Städte verloren. Staatspräsident Erdoğan sagte in seiner Balkonrede, dass man sich auf die Gründe der Situation konzentrieren und die notwendige Lehre daraus ziehen werde.

 

 

 

Die größte Oppositionspartei CHP hat im Vergleich zu den  vorherigen Kommunalwahlen ihr Stimmverhältnis gesteigert.  Aber bei der Präsidentschaftswahl hat sie mit ihren Kandidaten Muharrem Ince mit 30,6 %  ein noch niedriges Wahlergebnis erzielt. Der Erfolg der CHP zeigt sich darin, dass sie in einigen großen Städten das Stimmenverhältnis steigern und dort die Wahlen gewinnen konnte.  Wenn man auf Städte wie Ankara, Istanbul und Antalya und deren Kandidaten schaut, wo die CHP ihr Stimmverhältnis gesteigert hat, sind es Personen, die nicht aus der klassischen Tradition der CHP kommen. Als Tayyip Erdoğan nach den Wahlen in 1994 das Fatiha Gebet gelesen hat, hatte die CHP Reaktionen gezeigt, die im Gedächtnis hängengeblieben ist. Eines der Bilder dieser Wahl, die am meisten in Erinnerung bleiben wird, ist das Lesen der Yasın Sure  von Ekrem Imamoğlu, dem Istanbul  Kandidaten der CHP. Eine CHP mit friedlichen Werten für die Gesellschaft der Türkei, ist ein Gewinn für die Türkei. Dieser Umstand ist ein natürliches Ergebnis des Präsidentschafts-Bündnissystems.

Das Präsidentschafts-Bündnissystem öffnet die Tür für den gesunden Menschenverstand und nicht  als Extremismus und Spannungen.

 

 

Trotz der  HDP,  kurdische Wähler die nicht  “Kurdistan” sondern Türkei sagen,

 

Wie immer verwendete die HDP vor der Wahl eine diskriminierende, evokative Sprache. Im Osten sagte sie, dass ihre Wähler für  Kurdistan stimmen würden. Bei den Wahlen verlor die HDP in vier  4 Städten, die als ihre Hochburg galten. Şırnak, Ağrı und Bitlis fiel an die AK Partei und Tunceli an die TKP. Die HDP, die mit den kurdischen Wählern im Osten und Südosten gemeinsam mit der Türkei gehen wollte, hat noch einmal gezeigt, dass es nicht ein beurkundetes Eigentum  ist, wie es die HDP gerne sehen möchte. Diese Ergebnisse können so gewertet werden, dass die kurdischen Wähler nicht auf die Allianz zwischen AK-Partei und MHP reagieren und sie mit den Leistungen ernannter Treuhänder zufrieden sind.

 

 

Sinkende Wahlbeteiligung, Forderung auf Parteiausweis bei Stimmzettel?

Unsere  Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen ist im Vergleich mit anderen demokratischen Ländern, insbesondere westlichen Ländern, sehr hoch. Die Wahlbeteiligung lag bei diesen Wahlen bei 84%. Verglichen mit der Wahlbeteiligung von 89% bei der vorherigen  Kommunalwahl zeigt sich jedoch, dass die Beteiligung um 5% zurückgegangen ist, was eine signifikante Quote darstellt. Mit dem relativen Rückgang der Beteiligung bei diesen Wahlen kann es der Einfluss gewesen sein,  dass die Parteien bei diesen Wahlen durch ihre Allianzen und nicht durch ihre eigene Identität angetreten sind. Ein Teil der Wähler sah sich möglicherweise gezwungen, für eine andere Partei außer ihrer Partei zu stimmen,  für die sie jahrzehntelang gestimmt hatte. Wenn es auch bei den nächsten Wahlen Bündnisse geben sollte, sollten die Bündnissysteme es den politischen Parteien ermöglichen, ihren eigenen Identitäten und Emblemen und Stimmzetteln zu berücksichtigen.

Ein weiteres Wahlergebnis ist die Zersplitterung der MHP-Stimmen, die 2014   17,8% der Stimmen erhielten. Obwohl die MHP bei dieser Wahl 7,3% der Stimmen erhielt, erhöhte sie ihre Bürgermeister in den Provinzen von 8  auf 11, während die Iyi Partei  mit 7,4% der Stimmen in keiner Provinz gewann.  Das Stimmverhältnis der Saadet Partei lag bei beiden Wahlen bei 2,7 Prozent

Als Ergebnis ist festzuhalten, wenn man zur Wahlurne geht, hat wie immer die Demokratie und die Türkei gewonnen.

Hoffentlich nehmen jene Kreise die Ergebnisse zum Anlass ihre Augen zu öffnen, die mit Scheuklappen auf die Türkei blicken.

 

 

 

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Dossier Analyse 13

Tarrantismus?

Nach dem Terroranschlag des weißen australischen Rassisten Brenton Tarrant, bei dem 50 Muslime getötet wurden, ist wieder auf der Tagesordnung, wie der Rechtsradikalismus und Rassismus, der den Terror als eine Methode wählt, zu definieren sei. Die gängige Bezeichnung ist folgendermaßen: „Islamphobischer Terror“, „Islamfeindlichkeit“ und „Anti-Islamismus.“       

Sie hören eine diesbezüglich Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.

 

Antisemitismus, Antiislamismus

Der Judenhass und die menschenverachtende Haltung gegen die Juden im 20. Jahrhundert im Westen, werden mit einer breiten Akzeptanz als Antisemitismus bezeichnet.  In ähnlicher Weise kann die Definition der zunehmenden Gewalt und des Terrors gegen die Muslime mit den Begriffen Anti-Islamismus, Islamfeindlichkeit sowohl für die Assoziierung einer unmenschlichen Tragödie und Verurteilung des Anti-Islamismus  mit Antisemitismus funktional sein. Doch damit offenbaren solche Bezeichnungen das Verständnis, das das eigentliche Problem ist. Doch die Verursacher dieses Problems und die Täter werden überschattet. Auf der anderen Seite  ist die nahe und wahre Gefahr im Westen nicht nur die Islamfeindlichkeit.  Aus dem Manifest von Tarrant, in dem er detailliert wiedergibt, dass es keinen anderen Weg im Westen außer der Tötung von anderen Gesellschaften außer den Weißen gibt, ist zu entnehmen, dass alle Unterschiede außer den Weißen in Gefahr sind. Rassistische Weiße und Weiße für den Rechtsradikalismus umfassen die weiße Rasse in Europa, indem auch die außerhalb von diesem Kontinent lebenden Weiße. 

Faschismus, Nazismus, Zionismus

Der Begriff, wonach wir suchen, ist eigentlich relativ neu und daher ist der Rahmen nicht ganz bekannt. Wir kennen den Obertitel des Begriffs: Rassismus.   Doch der gegenwärtige Umstand, mit dem wir konfrontiert sind, ist für die Definition mit dem Rassismus völlig unzureichend.   Es ist kein Rassismus, wonach man vor sich hin seine eigene Rasse liebt, für sie arbeitet und sie in den Vordergrund stellt. Es ist weit darüber hinaus ein Rassismus, der für seine eigene Rasse, Lebensweise andere Rassen, Lebensweisen vernichten möchte und dafür wie es in Europa des Öfteren zu sehen ist, die Menschen in ihren eigenen Häusern lebendig verbrennt und jede Art von Terror als Methode akzeptiert.  Für ähnliche Umstände gibt es Begriffe, die wir zu Genüge nutzen. Der Faschismus kann als eine Art staatlicher Rassismus definiert werden. Der Nazismus hingegen ist ein nationalistischer Rassismus, der auch den Staat für sich als Mittel sieht und an die Überlegenheit der Deutschen glaubt.  Der Zionismus kann als eine Zusammensetzung sowohl von nationalistischem als auch von religiösem Rassismus bezeichnet werden. Der von Theodore Herzl entwickelte Zionismus glaubt daran, dass die Juden ein ausgewähltes Volk sind und Gott ihnen einige Territorien, die auch ein Teil der Türkei miteinbeziehen,   an sie versprochen hat. Daher wird geglaubt, dass für das Erlangen dieser Territorien alles legal ist.   Mit den Worten von Roger Garaudy ist es eine rassistische und ausbeutende Ideologie. Was Israel unter Missachtung der UN-Resolutionen, Menschenrechte, Grundfreiheiten und des internationalen Rechts den Palästinensern zufügt, vergleichen viele Denker und Aktivisten mit dem Vorgehen Hitlers gegen Juden. Zweifelsohne teilen nicht alles Juden den Zionismus.

Es gibt orthodoxe Juden, die den Zionismus vollständig ablehnen und die Staatsgründung der Juden als eine Verletzung ihrer Legion sehen und daher Israel nicht anerkennen.

Whiteismus, Wasismus, Tarrantismus?

Wenn wir den Faschismus als Staatsrassismus, Nazismus als Volksrassismus und den Zionismus als Religionsrassismus bezeichnen, ist der Begriff, den wir eigentlich suchen, Farbenrassismus.

Die Überlegenheit der Weißen, ist bei der Definition des Weißen-Rassismus, der den Terror als eine Methode einsetzt, ziemlich unzureichend. Denn der angelangte Punkt ist nicht mehr der Glaube nach der Überlegenheit der weißen Rasse. Vielmehr ist es zum Grund für den Terror ausgeufert. Wenn wir uns auch nicht für den benötigten Begriff entscheiden können, wissen wir, woraus er zu produzieren ist und worauf er zu deuten hat. Es sollte von der Gedankenwelt der weißen Rasse produziert werden, die den Begriffsterror und die Gewalt als eine Methode akzeptiert. An diesem Punkt können die Begriffe „Wasismus“ oder „Whiteismus“ produziert werden, die den Faschismus und Nazismus assoziieren und mit ihnen verurteilt werden können. Wenn es eine gängige Nutzung gibt, kann Wasismus in kurzer Zeit Akzeptanz finden, der den weißen rassistischen Terror und auf den Hass deutet. Doch in einer solchen Situation können wir mit dem Problem konfrontiert werden, worauf wir vergangene Woche hingewiesen hatten. Den von Christen begangenen Terror als christlichen Terror und im Namen des Islam begangenen Terror als islamischen Terror zu definieren wird für die überwiegende mäßige Mehrheit eine Anschwärzung sein.  Solche Verwendungen und Polarisierungen werden den Terrororganisationen noch mehr dienen. Daher sollten wir eine Sprache meiden, mit der wir für den weißen rassistischen Terror alle Weisse zu Verantwortung ziehen.

Wie wir den Nazismus die Deutschen ausgesondert als eine Volksrasse, den Zionismus die  Juden ausgesondert als eine Religionsrasse sehen, sollten wir auch für den weißen rassistischen Terror eine Bezeichnung finden, womit wir die Weißen aussondern. In diesem Zusammenhang kann es als Tarrantismus bezeichnet werden, weil er auch sein Manifest geschrieben hat. Die Verwendung des Begriffs „Tarrantismus“ kann nicht nur für alle Weißen, sondern für jene, die den Terror als eine Methode sehen, als legal gesehen werden. Wenn andere Begriffe vorgeschlagen werden sollten, sollte es eine Definition sein, die diesen Unterschied berücksichtigt. Im Endeffekt ist der Bedarf nach einem neuen Begriff für den weißen rassistischen Terror, der die Grundrechte und Freiheiten, Meinungsfreiheit und das Recht auf Leben ignoriert, offensichtlich. Jeder zu produzierende Begriff sollte die Opfer nicht in den Mittelpunkt stellen, vielmehr die Gedankenwelt der Täter offenbaren und dieses Verständnis verurteilen.

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Dossier Analyse (2019-12)

Dossier Analyse (2019-12)

Ist Tarrant ein christlicher Terrorist?

Der australische Terrorist Brenton Tarrant hat bei zwei Moscheeangriffen während des Freitagsgebets am 15. März im Neuseeländischen Christchurch 50 Muslime massakriert und dutzende weitere Menschen verletzt. Während in westlichen Ländern keine Bilder zu den Anschlägen und Opfern gezeigt wurden, was auch richtig ist, hatte Tarrant seine Anschläge auf den Sozialmedien live ausgestrahlt.

Sie hören eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret Bülbül, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften der Yıldırım Beyazıt Universität.

Ist Tarrant ein gewöhnlicher Verbrecher? Ein Terrorist?

So eine Frage scheint unnötig zu sein aber das Ergebnis dieses Falls ist sehr bitter. Nahezu alle westlichen Politiker und Medien konnten den blutigsten Anschlag in der Geschichte Neuseelands nicht als Terrorakt bezeichnen. Wir können hier von einer geplanten Methode sprechen, womit man mit Druck, Angst und Abschreckung ein politisches Ziel erreichen will. Tarrant begnügt sich nicht damit, mit den über Jahre geplanten Anschlägen, die er auf den Sozialmedien live übertrug, Menschen zu Massakrieren. Es ist eine aus 74 Seiten bestehende Begründung vorhanden, warum im Westen alle Menschen außerhalb der Weißen getötet werden müssten. Wenn Tarrant kein Terrorist ist, der von ihm begangener Akt kein Terrorakt ist, dann können wir keinen Fall als Terror einstufen. Tarrant hat tausend Jährige Vergangenheit recherchiert, all die Türkei feindlichen Namen, Orte und Ereignisse, sowie die von den Attentätern benutzten Waffen in der Originalsprache ausgeschrieben. Das deutet darauf hin, dass er für den Terroranschlag wissenschaftliche Unterstützung erhalten hat.

Im Westen sind Demokratien und Freiheiten noch mehr schutzlos.

In Europa ist wegen der wirtschaftlichen Stagnation Faschismus und Nationalsozialismus im Aufstieg. Im Vergleich zu anderen demokratischen Staaten befinden sich die meisten rassistischen Parteien, die an der Macht sind, in Europa. Der zunehmende Einfluss von rassistischen Parteien führt dazu, dass die Stimmen von Kreisen, die sich für Freiheiten, Pluralismus und Liberalismus einsetzen, immer leiser werden. Denn diese Kreise spüren immer mehr Druck. An dem heute angelangten Punkt wird im Westen die Bedrohung gegenüber der Beseitigung von unterschiedlichen Lebensweisen immer mehr sichtbar. Es sind nur wenige Staats- und Regierungschefs vorhanden, die diese Bedrohung erkennen, wie es bereits im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs gewesen war. Im Westen haben auch Menschen und Kreise von verschiedenen Religionen, Sprachen, Rassen mit gesundem Menschenverstand gehandelt und ihre Reaktion dargelegt. Diese Kreise, die ihre Solidarität mit Muslimen darlegen, sind in Betracht auf die Druck-Atmosphäre in ihren Ländern sehr wertvoll. Auch wenn westliche Politiker schweigen, sind die Bemühungen der neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern bedeutungsvoll, um zu sehen, dass im Westen noch Leader existieren, die ihre menschliche Eigenschaft wahren. Es ist so bedeutungsvoll, dass Ardern in Solidarität mit der muslimischen Gesellschaft ist, sich ein Kopftuch aufsetzt und diesen Menschen ihr Beileid ausspricht. Denn ihre Erklärung ist wie eine Antwort auf  Weiße und rassistische Terroristen. Sie sagte, jeder, der hier nicht auf die Welt gekommen ist und sich dafür entschieden hat hier zu leben, ist einer von uns. Diejenigen, die dieses grausame Massaker begangen haben, sind nicht von uns. Sie hatte auf die Frage von Trump, ob er für Neuseeland was unternehmen kann gesagt, dass der US-Trump alle muslimischen Gesellschaften Zuneigung und Sympathie zeigen soll.

Ein Christlicher Terror?

Während die westlichen Politiker und Medien Terroranschläge, dessen Attentäter Muslime sind von islamistischem Terror sprechen, wurde bei den Anschlägen von Tarrant der Begriff christlicher Terror nicht benutzt. Denn Tarrant ruft in seinem Manifest auf, im Westen alle Menschen ausschließlich der Weisen zu töten. Er benutzte auch zahlreiche Symbole des Christentums. Wenn man einen Terroranschlag mit einer Religion in Verbindung stellen sollte, dann gibt es hier genug Gründe, um diesen Anschlag mit dem Christentum in Verbindung zu stellen. Es wäre möglicherweise günstiger, die sich im Westen im Aufstieg befindende angriffslustige Auffassung als Terror der Kreuzzüge zu bezeichnen und nicht mit dem  Christentum in Verbindung zu stellen. Trotz all dieser Entwicklungen sollte man bei diesem Thema eine Annäherung darlegen, wie im Westen. Der Westen ist nicht unser Aufklärer. Genauso wie wir uns dagegen stellen, weil sie einige Gewalttaten mit dem Islam in Verbindung zu stellen versuchen, dürfen wir auch nicht von einem christlichen Terror sprechen. Unabhängig davon, wem der Terror dient, sollte man zwischen Terroristen und der Religion oder Ideologie, denen sie angehören, unterscheiden. Eine andere Einstellung würde dem Terror dienen.

Wenn wir für Anschläge, die angeblich für den Islam begangen werden, Muslime, oder für das Christentum begangene Terroranschläge die Christen verantwortlich machen, dann wird es fast unmöglich werden, Friede und Ruhe auf der Welt zu gewährleisten. Wie ich mich mit meinem Freund Berat Özipkek ausgetauscht habe, konnten zu jenen Zeiten, in Territorien, wo der Islam verbreitet war, in Ländern wo Dschihad und Scharia Regeln herrschten, in anderen Geographien Muslime, Christen und Juden friedlich miteinander Leben, wie in keiner anderen Geographie. Daher stammen die besten Beispiele für ein friedliches Miteinanderleben aus der osmanischen Geographie, aus Andalusien und Indien. Zu diesen Zeiten hatte kein Muslim daran gedacht, mit einem Anschlag unschuldige Menschen zu massakrieren, wie bei den Anschlägen von 9/11. Sie hätten nicht einmal davon geträumt, mit F-16 Kampfflugzeugen das eigene Volk zu bombardieren, wie es beim Putschversuch von FETÖ der Fall gewesen war. All diese Themen sind moderne Bewegungen. Die Buddha Statuen in Tora Bora wurden in der modernen Zeit zerstört und nicht als Afghanistan mit Scharia verwaltet wurde. Im Zusammenhang mit der Auffassung gibt es zwischen den Anschlägen von Tarrant, 9/11 oder dem Putschversuch vom 15. Juli keinen Unterschied. In allen drei Fällen kann man nicht von Prinzipien, Werten, Regeln und Gerechtigkeit sprechen. Denn die von Tarrant auf unschuldige Menschen gerichtete Waffe, die Flugzeuge des 9/11 sowie die Kampfjets vom 15. Juli sind die Produkte derselben Denkweise. Man darf nicht weiter zulassen, Terror mit Religion gleichzustellen, Terroristen sich hinter der Religion verstecken, terroristische Auffassung weiter Anerkennung findet.

Was sollte man dagegen unternehmen?

Die Atmosphäre im Westen die von einigen Politikern und Medien benutzten rassistische, diskriminierende Sprache und Hasssprüche haben zweifelsohne einen Einfluss auf die kaltblütigen und grausamen Anschläge von Tarrant gehabt. Dieses Ereignis ist ein konkreter Beweis dafür, was die aufsteigende Islamfeindlichkeit im Westen und produzierte Erdoğan-Feindlichkeit auslösen kann.

Egal mit welchen Mitteln Terroristen wie Tarrant, Osama bin Laden, Gülen und andere ihre Anschläge zu legitimieren versuchen, sollte man bei der Bekämpfung dieser Menschen gemeinsam vorgehen. Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt sollten eine gemeinsame Reaktion zeigen, unabhängig der Begründung. Denn die Welt ist nun ein globales Dorf. Überall leben Menschen mit unterschiedlichen Sprachen, Religionen und Ansichten miteinander. Daher dürfen wir nicht zulassen, dass unserer Welt der Frieden, die Ruhe und Freiheiten weggenommen werden. Weltweit sollte sich jeder mit gesundem Menschenverstand vereinen. Sonst werden wir alle zur Geisel der sich verbreitenden Finsternis werden.

Auf Wiederhören

 

 

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